Squatting till communism

Das glorreiche Zeitalter der Hausbesetzungen ist zwar Geschichte, nicht aber das Bedürfnis nach alternativen Wohnprojekten, Freiräumen, Zufluchtsstätten und Kulturzentren. Deshalb wurde vor kurzem die Gürtelstraße 42 in Linz, von linken Aktivist_innen besetzt. Die Ziele dieser Aktion sind dabei so vielfältig wie die Menschen die sich daran beteiligen. Es geht wie bereits gesagt, um einen Freiraum also einen Ort an dem wir uns möglichst frei entfalten können, aber auch um einen Zufluchtsort an den wir uns zurückziehen können wann immer die alltäglichen Anforderungen oder diverse Schicksalsschläge uns über den Kopf zu wachsen drohen.

Das seit langer Zeit leerstehende Haus, dessen Eigentümerin scheinbar kein Interesse hegt dieses für praktische Zwecke zu nutzen, oder nutzbar zu machen, wurde bereits vor der Besetzung von mehreren Roma als Schlafquartier genutzt. Diese sehen im Haus einen Gebrauchswert der aber recht wenig mit dem Wert zu tun hat, der dem Gebäude nach kapitalistischer Logik zugesprochen wird. Jetzt soll gemeinsam mit den dort illegal und prekär lebenden „Untermieter_innen“ ein Zusammensein gestaltet werden, dass den menschlichen Bedürfnissen besser entspricht als die Spielregeln des Kapitalismus zulassen. Diese Regeln zu brechen, ist im Angesicht der Tatsache das Menschen gezwungen werden ihren Alltag als Obdachlose zu verbringen obwohl nebenan Reihenweise Häuser leer stehen, nicht nur legitim, sondern auch bitter notwendig.

Die Grundbedingung für Ausbeutung, Verdrängung, Entfremdung,… im Kapitalismus, ist das Recht auf Privateigentum. Dieses wird vom Gewaltmonopol des Staates bedingungslos durchgesetzt. Kein Wunder, schließlich liegt die primäre Aufgabe des Staates genau darin, den Kapitalismus zu verwalten und für dessen Aufrechterhaltung zu sorgen. Dabei geht es aber nicht darum, dass allen Menschen ein Stück des Kuchens garantiert wird, sondern ganz im Gegenteil darum, den möglichst gewinnbringenden Tausch von Waren überhaupt erst zu ermöglichen. Ein Tausch der unter formal freien und gleichen Staatsbürger_innen vollzogen wird.

Nur „formal“ und nicht „real“ deshalb, weil eine Gleichheit vor dem Gesetz (zB bei Eigentumsfragen) lediglich den ohnehin schon besitzenden etwas nützt. Nicht die prekär lebenden Besetzer_innen sondern die Eigentümer_innen ziehen durch den bedingungslosen Schutz von Eigentum nutzen. Die bürgerliche „Freiheit“ ist insofern relativ, als das sie uns zwar nicht direkt vorschreibt wie wir unser Leben zu verbringen haben, wir aber dennoch ganz unabhängig von unseren eigenen Interessen dazu verdammt sind unsere Waren (in der Regel die Ware Arbeitskraft) auf den Markt zu tragen und konkurrenzfähig zu bleiben. Es steht uns nicht frei in einem leerstehenden Haus zu leben (was ja niemensch direkt schadet), sondern nur zu versuchen durch elende und oft mehr als unnötige Schufterei einen zeitweiligen Unterschlupf zu erkaufen. Die Begrenzung der Freiheit dient nicht zB dem Erhalt der praktischen Freiheit anderer, sondern schützt lediglich deren Kapital.

Durch den Tausch zB von Arbeitskraft gegen Lohn, oder Miete gegen Wohnung „funktioniert“ das ganze System überhaupt erst und ein Spirale von (zwangs)Investition und Einkommen/Gewinn beginnt sich zu drehen. Wobei der Begriff „funktionieren“ hier schon einen sehr zynischen Beigeschmack aufweist. Ob finanziell oder materiell, Kapital arbeitet immer nur für sich selbst und niemals für den Menschen. Ein funktionierendes System hingegen, sollte die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse zum Ziel haben und diese nicht bestenfalls als Nebenprodukt oder Reproduktionsbedingung innerhalb eines „Lebens“ voll von Konkurrenz, Ausbeutung und Ungleichheiten, anbieten.

So sehr Hausprojekte wie das in der Gürtelstraße 42 nun Symbol der Hoffnung und Platz zum Ausprobieren von neuen Ideen sind, bleiben sie bezüglich ihrer Perspektive beschränkt. Ein Freiraum der sich der unmittelbaren Logik des Kapitals entziehen will kann leider nur dann bestehen, wenn für den Standort der Preis der Räumung höher ist als der des Bestehens. Wobei Preis an dieser Stelle mehr als direkte Geldkosten meint. Es geht auch zB um die moralische Integrität oder einfach gesagt um das Image der Stadtpolitik. Eine Loslösung vom herrschenden System wäre somit schon von Beginn an widerlegt.

Auch ein alternativer Lebensstil innerhalb des Kapitalismus, wie er durch linke Wohnprojekte versucht wird, ist im Grunde immer Selbstausbeutung. Denn die Maxime des Bestehenden lautet nicht: handele moralisch richtig, sondern viel eher: handle finanziell erfolgreich. Abweichungen davon, werden mit dem ökonomischen Untergang bestraft. Eine Tatsache die zwar die Notwendigkeit der Alternative zum Bestehenden keineswegs verneint aber die Beschränktheit von Hausprojekten deutlich macht. Wer nicht mehr in der Scheiße leben will, die wir Kapitalismus nennen, muss keine zwei, drei oder fünf Häuser besetzen, sondern die Funktionsweise des Ganzen umwerfen. Gerade für eine revolutionäre Organisierung sind aber Räumlichkeiten, Versuchsorte und Begegnungsstätten bitter nötig. Deshalb lautet unsere Parole: „Squatting till communism“

Solidarität mit den Besetzer_innen!
Für ein Autonomes Zentrum!
Gegen Staat und Kapitalismus!

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