Zwischen 10. Und 12. Juni treffen sich Burschenschafter aus ganz Österreich in Steyr. Als Anlass dafür gelten ihnen das fünfzigste Stiftungsfest der c.P! Eysn zu Steyr und der damit verbundene ÖPR Burschentag. Burschenschaften sind lebenslange Schwurgemeinschaften von Männern mit elitärem und konservativ bis rechtsextremen Weltbild. Frauen ist dort die Mitgliedschaft prinzipiell untersagt. Der „Österreichische Pennäler Ring“ ist der Dachver-band deutschnationaler, pennaler (=Schüler) Verbindungen und immer wieder durch rechtsextreme Ausschweifungen bekannt geworden. Das heißt ein ganzes Wochenende lang werden die reaktionären und ewig-gestrigen Ideen der Burschis öffentlichkeitswirk-sam zur Schau gestellt und glorifiziert. Doch wenn die deutschnationalen Männerbündler feiern, dann gehen wir auf die Straße! Am 11. Juni startet um 17:00 vom Bahnhof weg eine Gegendemo mit dem Motto: „Burschentag kann uns mal – Eysn zu Altmetall“.
Wer braucht schon radikale Kritik?
Auch wenn derzeit die extreme Rechte wie so oft am Wachsen ist und die FPÖ mittlerweile in Umfragen hierzulande als stärkste Partei gilt, gibt es auch punktuelle Erfolge sozialer Bewegungen zu verzeichnen. Gerade in Steyr, aber auch im Rest von Österreich konnten immer wieder Abschiebungen verhindert oder zumindest verzögert werden. Bei der allseits beliebten Familie Komani gelang dies durch ein breites Bündnis mit deutlichem Integrations-Fetischismus. Von Mängeln im inhaltlichen Bereich kann hier nicht einmal gesprochen werden, da auf diesen sowieso von Anfang an verzichtet wurde. Einzig der Redebeitrag einer Gruppe antirassistischer Schüler_innen sorge bei der großen Abschlusskundgebung des Fackelmarsches für Aufsehen. Die These, dass ein bürgerliches Auftreten notwendig sei, um direkt politische Erfolge zu erzielen, hat sich aber spätestens nach den „Ganaa bleibt –Alle bleiben“ Aktionen als Blödsinn herausgestellt. Nach langem hin und her konnte sowohl ein Bleiberecht für Ganaa errungen werden, als auch eine Positionierung gegen jede Form von Abschiebung erfolgen.
Als Skandal der Gegenwart sehen wir weder die Abschiebung gut integrierter Asylwerber_innen, noch den Rechtsextremismus deutscher Burschenschafter, sondern viel eher die ganz normale Alltagsscheiße. Leistungsterror auf Schule/Uni, Job oder beim AMS treffen alle – genauso wie die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise und was die Herrschaft des Kapitals noch so an Unsinn hervorbringt. Dadurch treten logischerweise ein Haufen Widersprüche auf: sowohl zwischen persönlichen Bedürfnissen und Kapital-Interessen als auch zwischen individuellen und staatlichen Zielen.
Zumindest dem Schein nach, können sie allerdings im kollektiven „Wir“ der nationalen Zugehörigkeit aufgelöst werden. Ob Proletarier_in oder wohlhabendeR Manager_in, beide sind sie Österreicher_innen und somit Teil einer konstruierten aber deswegen materiell nicht weniger wirksamen „Schicksals-Gemeinschaft“. Eine direkte Abhängigkeit von dieser, besteht nämlich durch die Konkurrenz der diversen Staaten. Auch die Konkurrenz um Job oder Ausbildungsplatz kann im nationalen Taumel, wie er beispielsweise bei großen Sportevents auftritt, zumindest kurzfristig vergessen werden. Es handelt sich bei dieser Form von Nationalismus zwar nicht unbedingt um einen rechtsextremen, dennoch ist das Konstrukt der Nation ans sich schon eines, dass zwangsweise inkludiert bzw. ausschließt. Dass es dann auch noch den Kapitalismus vor dem Zusammenbruch aufgrund der eigenen Widersprüche bewahrt, macht das ganze noch schlimmer. Wir sehen aber zumindest, dass Nationalismus seinen Ursprung in der bürgerlichen Gesellschaft hat und als Teil dieser bedingungslos bekämpft werden muss.
Reformen die eine bessere Situation im System versprechen sind zwar begrüßenswert da sie die individuelle Lage vieler Menschen sehr wohl verbessert. Doch durch den Zwang zur Verwertung und unter Androhung des ökonomischen Untergangs werden ihnen recht schnell ihre Schranken aufgezeigt. Sie greifen letzten Endes in ihrer Kritik zu kurz und können keinen langfristigen Erfolg in Richtung befreite Gesellschaft erzielen. Der Standort Österreich braucht seinen Leistungsdruck um sich gegen andere Staaten durchzusetzen und genauso muss er seine Sozialhilfen streichen, wenn diese für ihn nicht mehr leistbar sind.
Und was hat das Ganze mit den Burschis zu tun?
Burschenschaften vertreten ein extrem antiegalitäres und hierarchisches Weltbild. Beim Eintritt lernt der Korporierte strikte Regeln zu gehorchen und diese unreflektiert zu akzeptieren. Die Erziehung zielt auf Selbstüberwindung ab: Es wird vermittelt, dass die Gemeinschaft – und damit auch die Nation bzw. das „Volk“ wichtiger ist als der Einzelne. Sie greifen den vorhandenen (bürgerlichen) Nationalismus auf und treibt ihn auf die Spitze. Wenn auch im wirtschaftlichen Sinne irrational, ist diese Extreme Form Bürgerlicher Wert- und Identitätsvorstellungen, durchaus logisch nachvollziehbar. Denn wenn das Bedürfnis nach Veränderung besteht, aber keine Perspektive außerhalb des Kapitalismus erkannt wird, bleibt nichts anderes übrig, als es noch verbitterter auf dem „herkömmlichen“, nationalen Weg zu versuchen. Weil aber durch den Kapitalismus geschaffene Probleme nicht durch Systemimmanente Lösungsversuche beseitigt werden können, bieten nationale Bestrebungen, ob extrem oder nicht, schlicht und einfach keine Perspektive.
Im Gegensatz zu den meisten Patriot_innen sehen deutschnationale Burschenschafter im Konstrukt Österreich lediglich eine Verwaltungsform. Das Objekt der Identifikation ist hingegen das deutsche Volk. Es geht also ganz klar um die Idee einer gemeinsamen Natur die sich über die urdeutsche Blut- und Bodenkonstruktion konstituiert.
Aber nicht nur der Nationalismus sondern auch deren Männerbündelei sollte im bürgerlich-kapitalistische Kontext analysiert werden. Männerbünde sind eines der rudimentärsten Mittel zur Absicherung des Status von Männern* innerhalb der Gesellschaft. Im Auge des Kapitals ist im Grund jede Arbeit gleich, wird sie nun von Männern* oder Frau-en* verrichtet. Die sich dadurch in Gefahr fühlende Männerschaft, versucht naheliegenderweise Frauen* von vorne herein aus gewissen Lebensbereichen auszuschließen.
Das der österreichische Staat hier seine Aufgabe zumindest formell Freiheit und Gleichheit durchzusetzen nicht gerecht wird, ist auf dessen patriachale Tradition zurückzuführen. Doch auch von Feminist_innen erkämpfte Frauenrechte, sind den Gesetzen des Kapitalismus unterworfen. Sie können nur dort existieren wo sie wirtschaftlich kein allzu großes Hindernis darstellen. Das wiederum heißt, dass echte Emanzipation nur durch die Überwindung des Kapitalismus (und dessen Staatensystem) erreicht werden kann.
Gegen Nationalismus und Männerbündelei!
Für den Feminismus und die soziale Revolution!




